28. Februar 2025 · 6 Min. Lesezeit
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KI-Kompetenz im EU AI Act: Was Führungskräfte wissen müssen

KI-Kompetenz im EU AI Act: Was Führungskräfte wissen müssen

Seit 2. Februar 2025 verlangt Art. 4 der KI-Verordnung ausreichende KI-Kompetenz im Unternehmen. Was das für Führungskräfte bedeutet und wie Sie vorgehen.

Ab dem 2. Februar 2025 gilt für Organisationen, die KI-Systeme in der Europäischen Union anbieten oder betreiben, eine neue gesetzliche Pflicht nach Artikel 4 des EU AI Act (KI-Verordnung). Danach müssen Unternehmen „Maßnahmen [ergreifen], um nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen“. Die Anforderung gilt entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette und betrifft damit sowohl Entwickler als auch Anwender von KI-Technologien1.

Management Summary: KI-Kompetenz in der KI-Verordnung

Ab dem 2. Februar 2025 müssen Organisationen, die KI-Systeme in der Europäischen Union betreiben oder anbieten, Artikel 4 der KI-Verordnung einhalten. Er verlangt, dass alle Personen, die mit KI-Systemen arbeiten, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Die Regelung gilt für die gesamte KI-Wertschöpfungskette. Entwickler wie Anwender von KI-Technologien sollen die Fähigkeiten, das Wissen und das Bewusstsein mitbringen, um verantwortungsvoll mit KI umzugehen.
Zentrale Anforderungen und strategische Folgen

  • KI-Kompetenz als gesetzliche Pflicht: Unternehmen müssen die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft bewerten, schulen und dokumentieren. Das schließt nicht-technische Mitarbeitende ein, die mit KI-Systemen arbeiten.
  • Risikobasierter Ansatz: Die KI-Verordnung ordnet KI-Systeme nach ihren möglichen Auswirkungen ein. Für Hochrisiko-Anwendungen im Gesundheitswesen, in der Strafverfolgung und in der Infrastruktur gelten höhere Kompetenzanforderungen.
  • Strategische Umsetzung: Organisationen sollten eine KI-Bestandsaufnahme durchführen, Kompetenzlücken ermitteln, rollenspezifische Schulungsprogramme entwickeln und Governance-Mechanismen etablieren, die die Einhaltung dauerhaft sichern.
  • Führung und KI-Strategie in Einklang bringen: Führungskräfte und Manager spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau einer KI-kompetenten Organisation. Sie sorgen dafür, dass KI-Initiativen strategisch, ethisch und an den Unternehmenszielen ausgerichtet sind.

Erste Seite der KI-Verordnung (EU AI Act)

Der Gesetzestext macht deutlich: KI-Kompetenz ist keine Option. Sie ist eine grundlegende Anforderung, damit Organisationen die Vorteile von KI nutzen und mögliche Risiken gering halten können. Laut KI-Verordnung umfasst „KI-Kompetenz“ die „Fähigkeiten, die Kenntnisse und das Verständnis, die es Anbietern, Betreibern und Betroffenen […] ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen sowie sich der Chancen und Risiken von KI und möglicher Schäden, die sie verursachen kann, bewusst zu werden“1. Der Anwendungsbereich reicht über technische Teams hinaus und kann jede Person in Ihrer Organisation betreffen, die mit KI-Systemen zu tun hat.

Was bedeutet „ausreichende KI-Kompetenz“?

Für Führungskräfte und Entscheider ist es entscheidend zu verstehen, was „ausreichende KI-Kompetenz“ bedeutet, um die Anforderung wirksam umzusetzen. Die KI-Verordnung liefert keine Einheitsdefinition. Sie geht davon aus, dass die Anforderungen von mehreren Faktoren abhängen. Bei der Festlegung des passenden Kompetenzniveaus muss Ihre Organisation die technischen Kenntnisse, die Erfahrung, die Ausbildung und die Schulung der jeweiligen Mitarbeitenden berücksichtigen, ebenso den konkreten Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden.

Die Anforderung geht weit über ein technisches Grundverständnis hinaus. Ein umfassender Ansatz für KI-Kompetenz umfasst das Verständnis, wie die KI-Systeme Ihrer Organisation funktionieren und wie sie sich auf Geschäftsprozesse auswirken; die Fähigkeit, mögliche Risiken beim Einsatz von KI zu erkennen, zu bewerten und zu mindern; Kenntnis der regulatorischen Anforderungen und ihrer Umsetzung; die Fähigkeit, die eigenen Compliance-Maßnahmen zu dokumentieren und nachzuweisen; sowie ein Bewusstsein für ethische Fragen und mögliche Verzerrungen (Bias) in KI-Systemen1.

Wichtig ist: Diese Kompetenzanforderungen sind nicht statisch. Sie müssen sich mit den KI-Technologien und ihren Anwendungen in Ihrer Organisation weiterentwickeln.

Ein risikobasierter Ansatz: Anforderungen je nach Einstufung des KI-Systems

Die KI-Verordnung reguliert risikobasiert und ordnet KI-Systeme nach ihren möglichen Auswirkungen ein. Diese Einstufung bestimmt unmittelbar, wie tief und wie breit die KI-Kompetenz in Ihrer Organisation sein muss2.

Für Hochrisiko-KI-Systeme, also solche in kritischen Bereichen wie Gesundheitswesen, Strafverfolgung, kritischer Infrastruktur und Bildung, sind die Kompetenzanforderungen besonders streng. Organisationen, die solche Systeme einsetzen, müssen umfassende Schulungsprogramme einführen. Diese decken technische Aspekte, Risikomanagement, Datenschutz, ethische Fragen und rechtliche Pflichten ab.

Für Systeme mit „begrenztem Risiko“, etwa Chatbots im Kundenservice oder bestimmte Datenanalyse-Tools, sind die Anforderungen weniger umfangreich, aber dennoch erheblich. Grundlegende Schulungen zu Transparenzpflichten und möglichen Risiken bleiben notwendig.

Auch bei KI-Anwendungen mit minimalem Risiko schreibt die Verordnung zwar keine formalen Schulungen ausdrücklich vor. Umsichtige Organisationen sollten dennoch grundlegende Sensibilisierungsschulungen in Betracht ziehen, damit diese Technologien verantwortungsvoll genutzt werden2.

Strategische Umsetzung in Ihrer Organisation

Als Führungskraft oder Entscheider sollten Sie die Anforderung an KI-Kompetenz strategisch angehen. Sehen Sie darin nicht nur eine Compliance-Übung, sondern eine Gelegenheit, die KI-Fähigkeiten und die Wettbewerbsposition Ihrer Organisation zu stärken.

Die KI-Verordnung schreibt keinen eigenen KI-Beauftragten vor. Es ist aber ratsam, klare Verantwortlichkeiten für die KI-Governance festzulegen. Das kann eine neue Stelle sein oder eine Verteilung der Aufgaben auf bestehende Abteilungen, solange die Verantwortung klar definiert und dokumentiert ist.

Eine wirksame Umsetzung braucht mehrere Bausteine: eine KI-Bestandsaufnahme, die alle KI-Systeme in Ihrer Organisation und ihre Risikoklasse erfasst; eine Bewertung des aktuellen Kompetenzniveaus der Mitarbeitenden gegenüber den Anforderungen jedes Systems; passgenaue Schulungsprogramme, die die ermittelten Lücken schließen; laufende Überprüfungen, die die Einhaltung dauerhaft sichern; und eine Dokumentation aller Maßnahmen, um die von der Verordnung geforderten Bemühungen „nach besten Kräften“ nachzuweisen.

Dieses vorausschauende Vorgehen sichert nicht nur die Einhaltung der Vorschriften. Es versetzt Ihre Organisation auch in die Lage, KI wirksamer und verantwortungsvoller zu nutzen.

Berater leitet einen KI-Workshop

Vorbereitung auf Februar 2025: Ihre nächsten Schritte

Die Frist im Februar 2025 für die KI-Kompetenz mag weit entfernt wirken. Doch umfassende KI-Kompetenz in einer Organisation aufzubauen, braucht Zeit und strategische Planung. Als Führungskraft entscheiden Sie mit Ihrem heutigen Handeln, wie gut Ihre Organisation vorbereitet ist, wenn die Anforderung in Kraft tritt.

Der EU AI Act ist weltweit die erste umfassende KI-Regulierung einer großen Regulierungsbehörde. Wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU könnte er zum globalen Standard werden und Organisationen weltweit betreffen2. Wer die Anforderungen jetzt versteht, verschafft seiner Organisation einen Vorteil in einem zunehmend regulierten KI-Umfeld.

Die nAIxt Technologies GmbH unterstützt Organisationen dabei, sich in der komplexen Landschaft aus KI-Regulierung und KI-Umsetzung zurechtzufinden. In unserer Beratung entwickeln wir passgenaue Strategien für den Aufbau von KI-Kompetenz. Sie erfüllen die regulatorischen Anforderungen und stärken zugleich Ihre Wettbewerbsposition durch einen verantwortungsvollen KI-Einsatz.

Warten Sie nicht, bis die Frist näher rückt. Beginnen Sie heute mit dem Aufbau von KI-Kompetenz. Sprechen Sie die nAIxt Technologies GmbH für eine umfassende Bewertung Ihrer KI-Reife an. Unsere Spezialisten entwickeln mit Ihnen eine strategische Roadmap für die KI-Kompetenz, die Ihre Organisation im neuen regulatorischen Umfeld braucht. Unsere KI-Schulungen für Führungskräfte sind gezielt darauf ausgelegt, regulatorische Anforderungen in strategische Chancen zu verwandeln.

Die Zukunft der KI ist reguliert. Mit dem richtigen Partner steckt sie aber auch voller Möglichkeiten. Gestalten wir sie gemeinsam.

Mehr zu unseren KI-Schulungen für Führungskräfte finden Sie unter https://www.naixt-technologies.de/de/leistungen/ki-schulung-fuehrungskraefte/ 3


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Footnotes

  1. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=OJ%3AL_202401689 ↩ ↩2 ↩3

  2. https://artificialintelligenceact.eu ↩ ↩2 ↩3

  3. https://www.naixt-technologies.de/de/leistungen/ki-schulung-fuehrungskraefte/ ↩

Jonas Szalanczi
Autor
nAIxt Technologies GmbH
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